Silberner Mercedes-Benz 500 E W124 auf Küstenstraße
02. Februar 2026

Wer in den letzten Jahren dachte, der Zug für den W124 500 E (und später E 500) sei abgefahren, der irrt – er hat gerade erst den Nachbrenner gezündet. Wir werfen heute einen genauen Blick auf das wohl diskreteste Muskelpaket der 90er Jahre.

1. Ein kurzer Rückblick: Projekt 2758

Man muss kein Historiker sein, um die Story zu lieben: Mercedes brauchte einen V8 im W124, um BMW Paroli zu bieten, aber die Bänder in Sindelfingen waren zu schmal für die breiten Backen des 500 E. Die Lösung? Ein Anruf in Zuffenhausen. Porsche übernahm die Entwicklung und auch Teile der Fertigung. Die Karosserien pendelten so mehrfach zwischen Stuttgart-Zuffenhausen (Rohbau & Endmontage bei Porsche) und Sindelfingen (Lackierung) hin und her. Jeder 500 E war so gut 18 Tage in der Produktion.

➜ Quelle zur Fertigung: Porsche Newsroom

Das Ergebnis: Ein 326 PS starker Wolf im Schafspelz, der in 6,1 Sekunden auf 100 stürmte – damals ein Wert für Supersportwagen. Bis zum Produktionsende im April 1995 entstanden exakt 10.479 Exemplare des "Super-Benz" (inklusive des späteren E 500 und der Limited-Sondermodelle).

➜ Quelle Produktionszahlen: Mercedes-Benz Public Archive

2. Marktentwicklung: Vom "Gebrauchtwagen" zum "Blue Chip"

Lange Zeit dümpelte der 500 E (und später der E 500) in einer Grauzone. Zu komplex für den Hobbyschrauber, zu unscheinbar für den Poser. Doch genau das ist heute sein Kapital.

In den letzten Jahren hat sich der 500 E von einem Liebhaber-Fahrzeug für Kenner zu einem ernsthaften "Blue Chip" im Youngtimer-Segment gewandelt. Besonders der US-Markt treibt die Preise, da immer mehr Top-Exemplare aus Europa und Japan exportiert werden.

Die Preisentwicklung der letzten 10 Jahre zeigt eine deutliche Entkopplung vom restlichen W124-Markt. Während Standardmodelle langsam anziehen, explodieren die Preise für gute 500 E, insbesondere für die sehr seltenen "E 60 AMG" Varianten oder Fahrzeuge mit extrem geringer Laufleistung.

3. Analyse realer Verkaufspreise

Das folgende Chart zeigt ausschließlich realisierte Verkaufspreise von verschiedenen internationalen Auktionshäusern (Bonhams, Collecting Cars, Bring a Trailer, etc.).

Alle Preise wurden zum ungefähren historischen Wechselkurs in Euro umgerechnet. Klick auf den Punkt öffnet das Ergebnis.

4. Marktausblick

Die Preise des 500 E zeigen eine klare Tendenz: Qualität kostet. Wir sehen eine Spreizung des Marktes. Fahrzeuge mit höheren Laufleistungen pendeln sich im Bereich 35.000 € - 55.000 € ein. "Schnäppchen" unter 40.000 € sind heute jedoch oft Restaurationsobjekte. Vorsicht: Kabelbaum-Problematik und Rost, bspw. an den Wagenheberaufnahmen, können schnell 15.000 € verschlingen.

Gute Modelle mit überschaubarer Laufleistung knacken regelmäßig die 80.000 € Marke. Und Top-Sammlerstücke (Sondermodelle wie der E 60 AMG, der E 500 Limited oder Modelle mit sehr geringer Laufleistung) durchstoßen längst ganz locker die 100.000 € Schallmauer.

Fazit

Der 500 E ist kein Geheimtipp mehr, er ist eine etablierte Größe im Pantheon der deutschen Automobilgeschichte.

Für die kommenden Jahre erwarten wir einen weiteren Anstieg der Preise. Weil der Markt austrocknet. Gute Autos sind in festen Händen. Der 500 E ist im kollektiven Gedächtnis als "der letzte echte Mercedes" verankert – und dieser Status scheint inflationssicher zu sein.

Wir empfehlen daher: Wer einen hat - Behalten und pflegen. Wer einen will - Nicht mehr lange warten, die Einstiegshürde wird jeden Monat höher.

Martin Rebel - Kfz-Sachverständiger
Verfasst & geprüft durch

Martin Rebel

Kfz-Sachverständiger & Prüfingenieur für Oldtimer & Klassiker

Mit jahrelanger Erfahrung als Kfz-Sachverständiger und einer tiefen Leidenschaft für historische Fahrzeuge sorgt Martin Rebel für präzise, marktgerechte Gutachten und verlässliche technische Prüfungen in Berlin & Brandenburg.

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