Der Geruch von patiniertem Leder, warmen Motoren und frisch gebrühtem Espresso in einer Industriehalle im Süden Berlins. Aus den Boxen wummern entspannte Beats, die einen direkt zurück in die 80er- bis 00er-Jahre katapultieren. Dazwischen: Benzingespräche, das leise Klicken von Kameraverschlüssen und ein Meer aus Blech. Ein Porsche 996 GT3 direkt neben einem makellosen BMW E30, ein Stück weiter ein seltener JDM-Klassiker.
Wer Ende Mai bei der jüngsten Ausgabe von „The Warehouse“ – dem Signature-Event der Berliner Crew von VHCLE – dabei war, hat es sofort gespürt: Hier entsteht gerade etwas Neues. Diese junge Autokultur in Berlin definiert sich nicht über laute Drehzahlorgien oder Burnouts auf dem Parkplatz. Hier geht es um Design, die Liebe zum Detail und vor allem um eins: eine verdammt gute Community.
Ich bin nun schon seit einigen Jahren in der Berliner Classic- und Youngtimer-Szene unterwegs und habe einige Treffen erlebt. Aber was Marc Reschke und sein Team mit VHCLE immer wieder auf die Beine stellen, hat eine ganz eigene Liga. Es ist modern, es ist verdammt ästhetisch und es holt die Leute ab.
Hinter den Kulissen: Wer ist VHCLE?
Hinter dem Namen steckt Gründer Marc Reschke, der VHCLE 2023 ins Leben gerufen hat. In kürzester Zeit ist daraus eine der spannendsten Anlaufstellen für die Klassiker-Szene im Raum Berlin und darüber hinaus geworden. VHCLE ist kein Club mit Satzung und Beiträgen. Es ist vielmehr eine lebendige Schnittstelle aus Community, dem eigenen Streetwear-Label „VHCLE Supply“, einem feinen Medienhaus und kreativen Pop-up-Events.
Ihre Mission trifft genau den aktuellen Zeitgeist: die Liebe zu Automobilen – insbesondere den oft unterschätzten Ikonen der 80er, 90er und frühen Nullerjahre – mit cooler Streetwear, hochwertiger Fotokunst und urbanem Lifestyle zusammenzubringen.
Ein Tag im „Warehouse“
Das Konzept hinter „The Warehouse“ ist genial einfach: Eine temporäre Ausstellung in einer spektakulären Industriekulisse im Süden der Hauptstadt. Für ein paar Stunden wird die Halle zur Kathedrale des Automobildesigns. Was mir bei allen VHCLE Veranstaltungen immer wieder direkt auffällt, ist die angenehme Gelassenheit. Kein Imponiergehabe bei der Anfahrt, stattdessen eine fast andächtige Stimmung in der Halle selbst.
Das Line-up war extrem spannend zusammengestellt – eine tolle Mischung aus Klassikern, die jeder kennt, und echten Exoten. Ein zeitlos eleganter Mercedes-Benz 190 E stand da ganz ungezwungen neben tiefen Porsche-Klassikern und seltenen japanischen Ikonen der Neunziger. Flankiert wurde das Ganze von Ausstellungen lokaler Künstler und Fotografen, die den – auch automobilen – Zeitgeist perfekt auf Leinwand und Papier gebannt haben. Und mittendrin die Leute: ein extrem entspannter Mix aus Oldtimer-Liebhabern, jungen Design-Fans und Streetwear-Enthusiasten, die bei einem kühlen Drink fachsimpeln.
Der Blick durch den Sucher: Wenn Licht auf Linien trifft
Als Fahrzeugfotograf und Ästhet juckt es einem bei solchen Events natürlich sofort im Zeigefinger. Das Lichtspiel war ein absoluter Traum. Wenn die Sonne flach durch die staubigen Fenster und Tore bricht und den Lack eines Youngtimers streift, während der Hintergrund im Schatten versinkt – das sind die Momente, die man einfach festhalten muss.
Es ist diese Kombination aus rauen Materialien wie Sichtbeton, nackten Stahlträgern und den fließenden, eleganten Formen der Autos, die mich fasziniert. Jedes Fahrzeug wird in dieser Umgebung selbst zum Kunstwerk.
Als Sachverständiger kann ich natürlich auch bei so einem Event nicht ganz aus meiner Haut. Wenn ich die ganzen Fahrzeuge der 90er und 2000er sehe, denke ich sofort an deren Wertentwicklung. Viele dieser Modelle reifen gerade im Eiltempo zum begehrten Sammlerstück. Wer hier noch von einem „günstigen Gebrauchtwagen“ spricht, verpasst den Trend. Genau deshalb ist es so wichtig, diese emotionalen und finanziellen Investments richtig im Auge zu behalten.
Mein Fazit: Die Autokultur lebt – jünger und lebendiger denn je
VHCLE hat mit „The Warehouse“ im Mai 2026 wieder einmal bewiesen, dass die Liebe zum Automobil nichts von ihrer Faszination verloren hat. Sie hat sich weiterentwickelt. Ästhetik, Respekt und Gemeinschaft stehen im Vordergrund. Und das tut der gesamten Szene unglaublich gut.